Rolf Iven trainiert Kreativitt, Kommunikation und Konfliktlsung
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Trainings in Sachen Kreativität Fehlersuche Lösungsfindung

Aus dem Fundus: 'Meinungen'

Führen in der Krise: Sklaven treiben leicht gemacht!

Der Wettstreit der Sklaven um die Gunst der grauen Eminenzen ist voll entbrannt. War es in günstigeren Zeiten für Arbeitnehmer recht einfach, die Stelle zu wechseln, zittern sie nun in der Krise zu abertausenden um ihr Einkommen und buhlen um einen Moment der Aufmerksamkeit. Kritik wird nur noch von jenen mit suizidalen Tendenzen gewagt, oder von jenen, die nichts mehr zu verlieren haben. Aber von denen muss man sich distanzieren, zu groß ist die Gefahr des negativen Imagetransfers, der einen mit in den Abgrund reißen könnte.

Die Anrufe auf unserer Konflikt-Hotline gehen mit den allgemeinen Beobachtungen konform: “Führen in der Krise” bedeutet für manche Führungskraft die Reanimation von steinzeitlichen Führungsmethoden. Das geflügelte Wort, den Mitarbeitern die Reibungswärme beim über-den-Tisch-ziehen als Nestwärme zu verkaufen – diese Mühe muss sich dieser Tage keine Führungskraft mehr machen. Offensichtlich wurden nicht nur Milliarden Euro an der Börse, sondern auch in Führungskräfte-Trainings verbrannt.

Für mich persönlich war es ein ergreifendes Erlebnis zu sehen, wie auf einer Regionaltagung von Aussendienstmitarbeitern die Hacken zusammen geschlagen wurden, wenn nur der Name des Vertriebsleiters fiel. Er musste noch nicht einmal persönlich anwesend sein, um die Mitarbeiter in kooperativ-motivierte Hektik verfallen zu lassen: “Hat Herr Dr. Müller das schon final freigegeben??”

Gelegentlich einen Sklaven öffentlich zu opfern gehört in diesen Chefetagen ebenso zum Standardrepertoire wie das flegelhafte Übertreten von Regeln, die man am besten vorher selbst aufgestellt hat. Das zeigt Macht und den klaren Willen zur Führung. Wenn Sie das als Führungskraft auch erreichen wollen, hier noch ein paar Tips, die Ihnen dabei einen guten Dienst erweisen werden:

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Dienstag, 24. März 2009 11:44 | Kommentare (1) | Tags: , , , , , , , , , , , , | Autor:

Du bist Hure

Da stellen sich junge Menschen vor einem Millionenpublikum auf die Bühne und lassen sich auf das Übelste rund machen (DSDS). Anschließend sorgen hinter der Bühne Psychologen dafür, dass diese Menschen sich nicht selbst umbringen oder einen Nervenzusammenbruch erleiden. Das ganze ist freiwillig.

Weniger freiwillig ist der Besuch an mancher Schule. Hier werden Schüler von überforderten Lehrkräften im zwischenmenschlichen Bereich alleine gelassen und von Schulkameraden deformiert. Schulpsychologen sollen anschließend Amokläufe und eskalierende Gewalt vehindern.

Mehr solcher Schulpsychologen sollen nun noch mehr Gewalt und Amokläufe verhindern. Die sonstigen Beteiligten setzen das Spiel und ihr Verhalten fort. Dank mehr Schulpsychologen kann nun noch mehr aufeinander eingedroschen werden.

Was soll das?

du bist hure

“Du bist Hure!” stand da auf einem Zettel, den Klassenkameraden einem Schüler in die Tasche gepackt hatten (2. Klasse).
“Gib mir 10 Euro oder ich schlag dich zusammen!”, Schutzgelderpressung in der 1. Klasse
An einer Schule wird man 25x schneller Mobbingopfer als in einem Industrieunternehmen. In einem Indistrieunternehmen werden 1/3 aller Beschäftigten im Lauf ihres Berufslebens gemobbt.
Eine WHO-Studie mit 23 000 deutschen Schülern ergab, dass jeder Fünfte an Verhaltensstörungen oder emotionalen Problemen leide. Ebenso viele klagten über psychosomatische Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen oder Einschlafstörungen.
Jedes 2. Kind geht regelmäßig mit Angst zur Schule, jedes 3. Kind braucht Nachhilfe, hat Tinnitus in der 5. Klasse und nimmt bereits in der 8. Klasse Medikamente, die es ohne Schule nicht bräuchte.

Ich kann mich noch gut an einen Fall erinnern, in dem ich selbst als Konfliktberater hinzu gezogen wurde, wo sich ein Team von Schulpsychologen gegenseitig gemobbt hat, eben genau jene, die nach Erfurt angestellt wurden, Mobbing und Gewalt zu verhindern. Sie lesen richtig.

“Er war ganz normal, unauffällig, es hat keine Anzeichen gegeben.” So oder ähnlich war es der anfänglichen Berichterstattung über den Amoklauf in Winnenden zu entnehmen. Bis sich raus gestellt hat, das Tim K. 1. an Depressionen litt, und 2., 3., 4. etc.

Was soll das?

Montag, 16. März 2009 13:27 | Kommentare (1) | Tags: , , , , , , , , , , , , , , | Autor:

… dann muß man ein normaler Mensch werden!

Neulich, im Gespräch mit meinem Sohn über den Sinn von Regeln:

Ich: “Weißt Du, warum man sich an Regeln halten sollte?”
Sohn: ” …damit man kein Fernseh-Verbot bekommt?!?”
Ich: “Ja, auch. Das wäre ja schon die Strafe. Aber warum brauchen wir Regeln?”
Sohn: “Mhmm …”
Ich: “Schau mal der Krieg in Israel, zwischen den Palästinensern und der Israelis, davon hast Du doch gehört.”
Sohn: “Ja.”
Ich: “Beide Seiten haben schon öfter einen Waffenstillstand vereinbart, aber es gab immer wieder Menschen, die sich nicht daran gehalten haben, und trotzdem weiter geschossen haben. Dann ist der Krieg wieder ausgebrochen, obwohl viele Menschen auf beiden Seiten keinen Krieg mehr wollten.”
Sohn: “Ja, das kenne ich aus der Schule! Der Dennis hält sich auch nicht dran und macht einfach immer weiter auch wenn Frau Hüttner ihn schon oft gemahnt hat!”
Ich: ” Und das ist dann für alle doof.”
Sohn: “Nee, für mich nicht, ich finde das ja witzig. Aber Dennis muss bald die Schule verlassen, wenn er nicht aufhört, sagt Frau Hüttner.”
Ich: “Das wäre doch toll, dann braucht Dennis nicht mehr in die Schule gehen!”
Sohn: “Ja schon, aber er kann dann nicht mehr Polizist werden – oder Lehrer. Der muss dann eben ein normaler Mensch werden!”
Ich: “Mhmmpf… oder so…

Dienstag, 24. Februar 2009 14:56 | Kommentare (0) | Tags: , , , , , , , , , | Autor:

“Dienst nach Vorschrift” Teil 2

Früher hat anbrüllen gereicht. Heute muss man auch noch motivieren… iihhh…

Schlechtes Management und schlechte Kommunikation, also insgesamt schlechte Führung, sind die Hauptgründe in Deutschland für die eher defizitäre Arbeitsmoral der Mitarbeiter. Manche Führungskraft ist sich im eignen Arbeitsalltag gar nicht bewusst, welches Verhalten damit genau gemeint ist. Hier ein paar Negativ-Beispiele aus Fällen meiner Beratungstätigkeit als Konfliktcoach oder Kommunikationstrainer:

1. Mythos Motivation
Auf einer Mitarbeiterschulung, in der Vertriebsmitarbeiter ein neues Produkt vorgestellt bekommen, soll ich über emphatische Kommunikation und den Aufbau zwischenmenschlicher Beziehung referieren. Der Vertriebsleiter: “So. Das war mein Vortrag. Jetzt kommt Herr Iven mit seinem Motivationspart.” Mit einem Augenzwinkern zu mir, vor den Mitarbeitern: “Na dann motivieren Sie die mal schön!”

2. Effizienzdränglerei
Der Gründer/Geschäftsführer eines Unternehmens mit ca. 30 Mitarbeitern, welches im Einzelhandel aktiv ist, verfügt folgenden Erlass: “Frau XY (zuständig für den Wareneingang und Warenauszeichnung) ist nicht mehr anzusprechen oder in Gespräche zu verwickeln, da sie bei Ihrer Arbeit zu viele Fehler macht. Wer Fragen zum Lager oder Ware hat, kommt zu mir.” (Frau XY weiss bis dahin gar nichts von ihren “Fehlern”).
Derselbe zu einer Mitarbeiterin, die in der telefonischen Kundenberatung (!) tätig ist: “Sie sprechen zu lange mit den Kunden. Wenn die quatschen, legen Sie zukünftig einfach auf. Wir haben da keine Zeit für.”
Später zu mir: “Sie haben doch im Marketing gearbeitet – fällt Ihnen nicht was ein, wie wir den Umsatz steigern können?”

3. Kopf in den Sand: Flucht statt Entwicklung einer Streitkultur
Ein Abteilungsleiter, der unter sich 2 Gruppenleiter mit wieder jeweils ca. 20 Mitarbeitern hat: “Wissen Sie, Herr Iven, das kann schon sein, dass die Mitarbeiterin Frau XY gemobbt wird. Ich kenne auch die Führungsdefizite von Herrn XYZ und kann mir das gut vorstellen. Aber wenn ich mich mit dem anlege, vebündet der sich mit Herrn ZYX (dem anderen Abteilungsleiter), und dann habe ich hier Hundstage. Also lasse ich das lieber.”

4. Wissen ist Macht – nix wissen macht auch nix…
Beim Vorstellungsgespräch, der Vorgesetzte hält seit gut 40 Minuten einen Monolog über das Unternehmen und die Produkte, nachdem er dem Bewerber bereits das Unternehmen gezeigt hat. Schließlich schiebt er den Arbeitsvertrag zur Unterschrift über den Tisch. Als jetzt der Bewerber ansetzt, etwas von sich und seinen Ideen zu erzählen, wird er vom Vorgesetzten gestoppt: “Sparen Sie sich das – ich werde ja schon sehen, wie Sie hier rein passen und ob Sie richtig arbeiten können…”

Buchtipp: Mythos Motivation – Wege aus einer Sackgasse von Reinhard K. Sprenger, Campus-Verlag

Dienstag, 20. Januar 2009 9:33 | Kommentare (1) | Tags: , , , , , , , , , , | Autor:

Können sich Menschen ändern? 22 Jahre später…

Können sich Menschen ändern? Eine Frage, die ich häufig gefragt werde, wenn ich Konflikte coache oder mediiere. “An dem/der werden Sie sich die Zähne ausbeißen! Das ist das Spiel seit Jahren, das geht immer so weiter.” So oder ähnlich klingen die Äußerungen, die viel Frustration und Pessimismus demonstrieren. Manchmal schon fast hämisch darauf wartend, dass ich, der Mediator/Moderator, ebenfalls am Gegenüber scheitere, auf dass das eigene Weltbild und das Bild vom anderen auch ja erhalten bleibt: “Das wäre schon ein Wunder…”

Berlin 1986, Brandenburger Tor

Berlin 1986, Brandenburger Tor (Foto: Iven)

“Es wäre vermutlich das größere Wunder, wenn Sie ihr Bild von Herrn/Frau XYZ ändern, diesen Menschen neu beobachten und positive Seiten entdecken und anerkennen würden. Das könnte uns die Chance für ein neues Verhalten geben. Können Sie sich das vorstellen?” frage ich. Betretenes, überraschtes Schweigen – das Ende der Gewissheit ist erreicht, der Balken im eigenen Auge schmerzt.

Menschen ändern sich und ihr Verhalten unweigerlich, sobald sich die Randbedingungen ändern: Die heimkehrenden amerikanischen Soldaten aus Vietnam, die bis dahin in ihren Schützengräben teils harte Drogen konsumiert hatten, waren von heute auf morgen clean. Der zappelige Junge, der angeblich an ADS leidet, wird ganz ruhig und konzentriert, als er sieht, dass Schule im Leben nicht alles ist, die Ehefrau hört auf zu schimpfen, als sie bemerkt, dass es in ihrem Mann doch Gefühlsregungen gibt. Bis diese Veränderungen ihre Wirkung zeigen, dass kann natürlich mitunter dauern – oder auch rasant schnell gehen.

Berlin 2008

Berlin 2008 (Foto: Iven)

Mein Berlin-Besuch dieses Jahr hat mich sehr beeindruckt: nach 22 Jahren stehe ich mit meinem 7jährigen Sohn am Bundeskanzleramt oder Brandenburger Tor, wo ich 1986 zum letzten Mal gewesen bin. Damals kein Gedanke an Wiedervereinigung, das Bundeskanzleramt gab es nicht. Meinen Sohn ebenfalls nicht. Auch wenn der Mauerfall schon in die Jahre gekommen ist – ein Wunder!?

Donnerstag, 11. Dezember 2008 22:38 | Kommentare (1) | Tags: , , , , , , , , , | Autor: