Rolf Iven trainiert Kreativität, Kommunikation und Konfliktlösung
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Aus dem Fundus: 'böse, ganz ganz böse'

… dann muß man ein normaler Mensch werden!

Neulich, im Gespräch mit meinem Sohn über den Sinn von Regeln:

Ich: “Weißt Du, warum man sich an Regeln halten sollte?”
Sohn: ” …damit man kein Fernseh-Verbot bekommt?!?”
Ich: “Ja, auch. Das wäre ja schon die Strafe. Aber warum brauchen wir Regeln?”
Sohn: “Mhmm …”
Ich: “Schau mal der Krieg in Israel, zwischen den Palästinensern und der Israelis, davon hast Du doch gehört.”
Sohn: “Ja.”
Ich: “Beide Seiten haben schon öfter einen Waffenstillstand vereinbart, aber es gab immer wieder Menschen, die sich nicht daran gehalten haben, und trotzdem weiter geschossen haben. Dann ist der Krieg wieder ausgebrochen, obwohl viele Menschen auf beiden Seiten keinen Krieg mehr wollten.”
Sohn: “Ja, das kenne ich aus der Schule! Der Dennis hält sich auch nicht dran und macht einfach immer weiter auch wenn Frau Hüttner ihn schon oft gemahnt hat!”
Ich: ” Und das ist dann für alle doof.”
Sohn: “Nee, für mich nicht, ich finde das ja witzig. Aber Dennis muss bald die Schule verlassen, wenn er nicht aufhört, sagt Frau Hüttner.”
Ich: “Das wäre doch toll, dann braucht Dennis nicht mehr in die Schule gehen!”
Sohn: “Ja schon, aber er kann dann nicht mehr Polizist werden – oder Lehrer. Der muss dann eben ein normaler Mensch werden!”
Ich: “Mhmmpf… oder so…

Dienstag, 24. Februar 2009 14:56 | Kommentare (0) | Tags: , , , , , , , , , | Autor: Rolf Iven

“Dienst nach Vorschrift” Teil 2

Früher hat anbrüllen gereicht. Heute muss man auch noch motivieren… iihhh…

Schlechtes Management und schlechte Kommunikation, also insgesamt schlechte Führung, sind die Hauptgründe in Deutschland für die eher defizitäre Arbeitsmoral der Mitarbeiter. Manche Führungskraft ist sich im eignen Arbeitsalltag gar nicht bewusst, welches Verhalten damit genau gemeint ist. Hier ein paar Negativ-Beispiele aus Fällen meiner Beratungstätigkeit als Konfliktcoach oder Kommunikationstrainer:

1. Mythos Motivation
Auf einer Mitarbeiterschulung, in der Vertriebsmitarbeiter ein neues Produkt vorgestellt bekommen, soll ich über emphatische Kommunikation und den Aufbau zwischenmenschlicher Beziehung referieren. Der Vertriebsleiter: “So. Das war mein Vortrag. Jetzt kommt Herr Iven mit seinem Motivationspart.” Mit einem Augenzwinkern zu mir, vor den Mitarbeitern: “Na dann motivieren Sie die mal schön!”

2. Effizienzdränglerei
Der Gründer/Geschäftsführer eines Unternehmens mit ca. 30 Mitarbeitern, welches im Einzelhandel aktiv ist, verfügt folgenden Erlass: “Frau XY (zuständig für den Wareneingang und Warenauszeichnung) ist nicht mehr anzusprechen oder in Gespräche zu verwickeln, da sie bei Ihrer Arbeit zu viele Fehler macht. Wer Fragen zum Lager oder Ware hat, kommt zu mir.” (Frau XY weiss bis dahin gar nichts von ihren “Fehlern”).
Derselbe zu einer Mitarbeiterin, die in der telefonischen Kundenberatung (!) tätig ist: “Sie sprechen zu lange mit den Kunden. Wenn die quatschen, legen Sie zukünftig einfach auf. Wir haben da keine Zeit für.”
Später zu mir: “Sie haben doch im Marketing gearbeitet – fällt Ihnen nicht was ein, wie wir den Umsatz steigern können?”

3. Kopf in den Sand: Flucht statt Entwicklung einer Streitkultur
Ein Abteilungsleiter, der unter sich 2 Gruppenleiter mit wieder jeweils ca. 20 Mitarbeitern hat: “Wissen Sie, Herr Iven, das kann schon sein, dass die Mitarbeiterin Frau XY gemobbt wird. Ich kenne auch die Führungsdefizite von Herrn XYZ und kann mir das gut vorstellen. Aber wenn ich mich mit dem anlege, vebündet der sich mit Herrn ZYX (dem anderen Abteilungsleiter), und dann habe ich hier Hundstage. Also lasse ich das lieber.”

4. Wissen ist Macht – nix wissen macht auch nix…
Beim Vorstellungsgespräch, der Vorgesetzte hält seit gut 40 Minuten einen Monolog über das Unternehmen und die Produkte, nachdem er dem Bewerber bereits das Unternehmen gezeigt hat. Schließlich schiebt er den Arbeitsvertrag zur Unterschrift über den Tisch. Als jetzt der Bewerber ansetzt, etwas von sich und seinen Ideen zu erzählen, wird er vom Vorgesetzten gestoppt: “Sparen Sie sich das – ich werde ja schon sehen, wie Sie hier rein passen und ob Sie richtig arbeiten können…”

Buchtipp: Mythos Motivation – Wege aus einer Sackgasse von Reinhard K. Sprenger, Campus-Verlag

Dienstag, 20. Januar 2009 9:33 | Kommentare (1) | Tags: , , , , , , , , , , | Autor: Rolf Iven

Können sich Menschen ändern? 22 Jahre später…

Können sich Menschen ändern? Eine Frage, die ich häufig gefragt werde, wenn ich Konflikte coache oder mediiere. “An dem/der werden Sie sich die Zähne ausbeißen! Das ist das Spiel seit Jahren, das geht immer so weiter.” So oder ähnlich klingen die Äußerungen, die viel Frustration und Pessimismus demonstrieren. Manchmal schon fast hämisch darauf wartend, dass ich, der Mediator/Moderator, ebenfalls am Gegenüber scheitere, auf dass das eigene Weltbild und das Bild vom anderen auch ja erhalten bleibt: “Das wäre schon ein Wunder…”

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Berlin 1986, Brandenburger Tor

Berlin 1986, Brandenburger Tor (Foto: Iven)

“Es wäre vermutlich das größere Wunder, wenn Sie ihr Bild von Herrn/Frau XYZ ändern, diesen Menschen neu beobachten und positive Seiten entdecken und anerkennen würden. Das könnte uns die Chance für ein neues Verhalten geben. Können Sie sich das vorstellen?” frage ich. Betretenes, überraschtes Schweigen – das Ende der Gewissheit ist erreicht, der Balken im eigenen Auge schmerzt.

Menschen ändern sich und ihr Verhalten unweigerlich, sobald sich die Randbedingungen ändern: Die heimkehrenden amerikanischen Soldaten aus Vietnam, die bis dahin in ihren Schützengräben teils harte Drogen konsumiert hatten, waren von heute auf morgen clean. Der zappelige Junge, der angeblich an ADS leidet, wird ganz ruhig und konzentriert, als er sieht, dass Schule im Leben nicht alles ist, die Ehefrau hört auf zu schimpfen, als sie bemerkt, dass es in ihrem Mann doch Gefühlsregungen gibt. Bis diese Veränderungen ihre Wirkung zeigen, dass kann natürlich mitunter dauern – oder auch rasant schnell gehen.

Berlin 2008

Berlin 2008 (Foto: Iven)

Mein Berlin-Besuch dieses Jahr hat mich sehr beeindruckt: nach 22 Jahren stehe ich mit meinem 7jährigen Sohn am Bundeskanzleramt oder Brandenburger Tor, wo ich 1986 zum letzten Mal gewesen bin. Damals kein Gedanke an Wiedervereinigung, das Bundeskanzleramt gab es nicht. Meinen Sohn ebenfalls nicht. Auch wenn der Mauerfall schon in die Jahre gekommen ist – ein Wunder!?

Donnerstag, 11. Dezember 2008 22:38 | Kommentare (1) | Tags: , , , , , , , , , | Autor: Rolf Iven